Skip to content

Alles beginnt mit Stift und Papier. Autorin

Writer

Als ich klein war, musste ich oft auf meine jüngeren Cousins und Cousinen aufpassen. Ich komme aus einer Einwandererfamilie und war das erste Kind, das in Deutschland geboren wurde, und bei uns passen die Älteren auf die Jüngeren auf. Das waren in meinem Fall ziemlich viele. Ich habe mir für sie kleine Abenteuergeschichten ausgedacht und sie als Agenten, Abenteurer und Schatzsucher durch selbst erfundene Welten geschickt. Damals war das für mich ein Spiel, eine Möglichkeit, die kleinen Bälger zu beschäftigen. Heute weiß ich, dass ich schon als Zehnjährige ganze Welten erschaffen habe.

Meine Fähigkeit, mir Geschichten auszudenken, konnte ich während meines ersten Studiums, Germanistische Linguistik, Europäische Ethnologie und Mediävistik, nicht wirklich ausleben. Ich musste damals drei Jobs parallel neben dem Studium arbeiten, um Studiengebühren, Miete und Lebenskosten zu stemmen. Also habe ich zwei und zwei zusammengezählt und mich nebenbei als freie Redakteurin selbstständig gemacht. Nach der Uni bin ich zunächst in der Industrie gelandet, im IT-Projektmanagement und parallel in der Technischen Redaktion. Als ich schließlich in die Kreativbranche wechselte, kamen Texten für Werbeagenturen und Websites und Konzeptentwicklung für Produktionsfirmen dazu. 

Kreativ und strukturiert, emotional und analytisch, menschlich und wirtschaftlich, zwischen Industrie und Kunst: das sind für mich keine Gegensätze. Ich spreche die Sprache verschiedener Welten fließend. Ich bin überzeugt, dass wir nur wahrnehmen können, was uns bewusst ist. Wie sonst erklärt es sich, dass wir ein Buch lesen und darin Jahre später Dinge entdecken, die wir beim ersten Mal nicht gesehen haben? Je mehr Welten man kennt, desto mehr sieht man. Gerade im Industriefilm oder in der Unternehmenskommunikation bedeutet das vor allem: Ich kenne die Welt, über die ich schreibe.

Durch meinen Wechsel als Schauspielerin in die Filmbranche kam der Impuls, eigene Filme zu schreiben. Seit 2023 studiere ich deshalb Drehbuch im Zweitstudium an der Filmakademie Baden-Württemberg. Mein Atelier-Ludwigsburg-Paris-Film „Höfliche Fünfzehn Minuten“ (Regie Lea Lembke), finanziert von ARTE und SWR, handelt von einer Frau, die an ihrem 40. Geburtstag auf ihrer eigenen Party von ihrem Freund verlassen wird. Er hat sie betrogen. Und als sich die gemeinsamen Freunde auf seine Seite schlagen, wehrt sich die Protagonistin auf ihre ganz eigene Weise gegen diese Ungerechtigkeit. Der Film lief auf dem Max Ophüls Festival und ist für die Rüsselsheimer Filmtage nominiert. Dieses Jahr erschien außerdem meine erste Kurzgeschichte im Sammelband „Wendepunkt“ der Filmakademie Baden-Württemberg unter der Schirmherrschaft des Reclam-Verlags. In diesem Jahr werde ich außerdem als Stipendiatin des Deutschlandstipendiums von der UFA unterstützt.

Ich sehe die Welt mit einem Augenzwinkern. Das Schöne, das Schlimme, das Absurde, das Schräge, die Zusammenhänge, die erst auf den zweiten Blick sichtbar werden. All das wandert in ein gedankliches Kaleidoskop aus Erfahrungen, Beobachtungen und Ideen. Und am Ende entsteht daraus ein Muster, das es so noch nicht gegeben hat.