Ein bisschen Spiel muss sein... Schauspielerin & Synchronsprecherin
Es gibt diesen Moment, kurz bevor die Kamera läuft oder der Vorhang aufgeht. Zuvor ist überall Gewusel, alle reden, Aufregung, so mancher wendet den panikerfüllten Blick ab, versucht sich zu sammeln, zu atmen. Und dann wird alles ganz still. In diesen wenigen Sekunden kann ich fühlen, wie laut mein Herz schlagen kann, wie sehr meine Haut von Kopf bis Fuß vor Nervosität prickelt. Und tief in mir drin kann ich einen Teil in mir vor Vergnügen quietschen hören: JETZT GEHT ES ENDLICH LOS. SHOWTIME!
Ich war schon immer ein Bühnenkind. Angefangen hat das schon im Kindergarten, als ich mit fünf im Krippenspiel die Rolle des Josef übernehmen sollte, weil keiner der Jungs das mit dem Schauspielen hinbekommen hat. Aber als erstes Kind einer Arbeiter- und Einwandererfamilie gab es für meine Eltern keine Möglichkeit, mich in diese Richtung zu fördern. Ich hab das Schauspielen also verworfen und es irgendwann vergessen. Bis ich zufällig Jahre später über die Musik wieder zurück gefunden habe. Ich habe schon immer gesungen, mir Songs und Geschichten ausgedacht. 2018 hat mich das Singen dann zufällig zum Synchronsprechen geführt und das Synchronsprechen schließlich zum Schauspiel. Der Kreis hat sich sozusagen geschlossen.
Heute arbeite ich für Film, Fernsehen und Theater. Was mich tatsächlich interessiert, sind Figuren, Geschichten und Perspektiven, die ambivalent sind, die zum Nachdenken anregen, die nicht das sind, was man erwartet. Ich erzähle gerne die Intellektuellen, die Gebrochenen, die Starken, die Kämpfenden, die Zweifelnden, die Lauten und die gefährlich Stillen und so viele andere Figuren.
2023 war ich als Krankenschwester Gesine Winter in der ARD-Telenovela Sturm der Liebe zu sehen. Davor und danach habe ich Haupt- und Nebenrollen in Kurzfilmen gespielt, Werbung gedreht, verschiedene Farben aus Emotionen und Figuren an mir ausprobiert und vor allem viel gelernt.
Mein Kurzfilm Der See, den ich selbst geschrieben habe und bei dem ich auch als Hauptrolle vor der Kamera stehe, entstand aus dem Bedürfnis heraus, eine Geschichte zu erzählen, die ich noch nirgendwo gesehen hatte. Er zeigt die Auswirkungen einer Welt, die voll Unberechenbarkeit, Unsicherheit und Verdrängung geprägt ist und die Hauptfigur Alice immer mehr dazu verleitet, sich in einen Traum zu flüchten, bis sie sich dort verliert. Der Film ist eine Provokation. Ich will ihn die Frage stellen lassen: Was können wir tun, damit wir ein Leben mit Sinn führen können? Anstatt in einem Hamsterrad aus Verpflichtungen auf der Stelle zu treten, bis wir irgendwann ins Altenheim fallen.
Neben Film und Theater bin ich auch im Bereich Unternehmensschauspiel tätig. Für Theater Interaktiv in Augsburg übernehme ich Rollen in interaktiven Trainingsformaten und Assessment Centern. Mit meinen Fähigkeiten als Schauspielerin (und meinem Hintergrundwissen als ehemalige Projektmanagerin) bin ich für diese Aufgabe super aufgestellt. Ich kenne das Umfeld, die Themen, die Probleme, weiß, wie Menschen im Unternehmenskontext zusammen funktionieren.
Seit 2024 studiere ich Drehbuch im Zweitstudium an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Die Entscheidung, mich zusätzlich in Richtung Schreiben zu entwickeln, war für mich leicht. Ich hab den Kopf voller Ideen, den Werkzeugkasten voller Fähigkeiten und Erfahrungen und möchte meine Talente auch einsetzen. Was das mit meiner Arbeit als Schauspielerin macht? Es gibt mir ein viel besseres Verständnis für den ganzen Schaffensprozess, der sich hinter dem Filmemachen verbirgt und ich kann beide Welten – die emotionale Welt des Spielens und Fühlens und die dramaturgische und konzeptuelle Welt des Erschaffens verbinden. .
Kontakt: hi@evelamell.com
